Regierungsrat Mario Fehr, Vorsteher der Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich und die Stadträte Mario Senn, Ressortvorsteher Sicherheit, Gesundheit und Sport, sowie Dr. Markus Bürgi, Ressortvorsteher Bildung und Schulpräsident, legten dar, welche Auswirkungen die Zunahme der Wohnbevölkerung im Kanton Zürich und in der Stadt Adliswil auf ihre Verantwortungsbereiche haben. Moderiert wurde der Abend durch Therese Grunder, Gemeinderatskandidatin der FDP Adliswil.
Der Kanton Zürich ist sicher
In Zeiten grosser geopolitscher Unsicherheit kann Regierungsrat Mario Fehr Erfreuliches berichten. Zürich ist ein sicherer Kanton. Die Kantonspolizei Zürich ist gut aufgestellt, kann den Herausforderungen des Wachstums standhalten und geniesst ein hohes Vertrauen in der Bevölkerung sowie politischen Rückhalt im Kantonsrat. Das zeigt sich an den jeweils unbestrittenen Budgets, welche unter anderem eine topmoderne Ausrüstung der Polizeiangehörigen ermöglicht. Positiv zudem für die Adliswiler Bevölkerung: der gemeinsame Polizeiposten der Kantonspolizei Zürich und der Polizei Adliswil – Langnau a.A., der sich sehr bewährt. Politischen Handlungsbedarf gibt es. So z.B. in Bezug auf einen besseren Informationsaustausch zwischen den Kantonen oder aber bei den zu langen Verfahren im Asylwesen, was aber in erster Linie auf Bundesebene angegangen werden muss.
Sicherheit, Gesundheit und Sport
Die Wohnbevölkerung in Adliswil wächst seit Jahren – dies etwa im gleichen Umfang wie diejenige des Kantons, aber stärker als im übrigen Bezirk Horgen. Ein deutlicher Unterschied besteht beim Ausländeranteil: hier liegt Adliswil mit heute rund 41% deutlich über dem Durchschnitt des Kantons. Stadtrat Mario Senn legte dar, wie sich diese Entwicklung auf seine Verantwortungsbereiche auswirkt. Das Stadtparlament beschloss eine Stellenaufstockung bei der Polizei Adliswil – Langnau a.A. und neu wird in Adliswil auch eine Polizeiaspirantin ausgebildet. Ein Mehr an Kulturen, Sprachen und Religionen bedeutet auch, dass sich die Polizeiarbeit inhaltlich verändert und die Ausbildung angepasst werden muss.
Mehr Leute – gleich viel Platz: Die Bedeutung attraktiver Aussenräume steigt. Der Aussenbereich des Freibads Tal steht deshalb seit Herbst 2023 auch ausserhalb der Badesaison als Park zur Verfügung. Es stehen diverse Investitionen in die Sportinfrastrukturen an, welche in die Jahre gekommen sind oder den heutigen Anforderungen nicht mehr ge-nügen. Gleichzeitig muss den gesellschaftlichen Trends Rechnung getragen werden:
Immer weniger Menschen wollen sich binden und treiben deshalb ohne Vereinsmitgliedschaft Sport.
Schulwesen
Die Schulen in Adliswil sind vom Wachstum der letzten Jahre überproportional betroffen. Stadtrat Markus Bürgi zeigte eindrücklich auf, wie sehr die Stadt Adliswil den Schulraum und das Betreuungsangebot aufstocken musste. Die Nachfrage nach Letzterem ist seit rund 10 Jahren um fast 300% angestiegen. Der politische Spielraum der Stadt ist dabei klein: im Schulwesen gilt es kantonale Vorgaben umzusetzen. Auch für die Schule ist die hohe Multikulturalität von Adliswil eine Herausforderung. Eltern verstehen teilweise das Schulsystem nicht, fremdsprachige Kinder brauchen zusätzlichen Deutschunterricht. Erfreulich ist aber, dass Adliswil auf ausreichend und voll ausgebildete Lehrkräfte zählen kann. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden, die zeitweise stark auf Quereinsteiger setzen mussten. Beim Schulraum ist die Stadt Adliswil auf Kurs, beim Personal ebenso. Bei den Betreuungsräumlichkeiten wird der Bedarf weiterhin zunehmen. Die absoluten Kosten nehmen selbstredend zu, wenn mehr Kinder zur Schule gehen: umso bemerkenswerter ist es, dass es bisher gelungen ist, die Kosten pro Schulkind konstant zu halten!
Zahltag
Ziel der Veranstaltung war es, dem Publikum die Auswirkungen des Stadtwachstums aufzuzeigen. Und die sind nicht zuletzt auch finanzieller Natur. Zusätzliche Stellen in der Verwaltung, moderne Sportanlagen, Schulraum: das alles kostet. Die Stadt Adliswil schloss das Jahr 2024 mit einem Verlust von ca. 4 Millionen Franken ab, für das Jahr 2026 wird ein Minus von rund 5.3 Millionen Franken budgetiert. Gleichzeitig ist Adliswil mit knapp Fr. 5000.- Nettoschuld pro Einwohner eine der am stärksten verschuldeten Gemeinden im Kanton. Die Gründe für diese Situation sind steigende Kosten, kombiniert mit kaum steigender Steuerkraft der natürlichen Personen sowie mit dem Wegzug der Swiss Re und damit dem Wegfall der entsprechenden Steuereinnahmen. In Reaktion auf die Situation wurde der Steuerfuss in Adliswil auf bereits 104% erhöht. Um eine für alle Adliswilerinnen und Adliswiler attraktive und lebenswerte Stadt zu erhalten, braucht es neben Budgetdisziplin vor allem auch eine Stärkung des Steuersubstrats. Bei der weiteren Entwicklung der Stadt gilt es deshalb genau hinzuschauen, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen und Mass zu halten.